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Pforzheimer Kurier, 10.01.2011:

Die Überwindung des galanten Stils

Begeisterter Applaus für hervorragend präsentiertes Monumentalwerk Beethovens

 

"Die Neunte am Neunten" stand als Motto über dem sehr gut besuchten Neujahrskonzert im Pforzheimer Stadttheater. Unter der Leitung von Markus Huber musizierte die Badische Philharmonie zusammen mit dem Opernchor, dem Extrachor und dem Stuttgarter Philharmonia Chor. Hochkarätig besetzt war das Solistenensemble mit Katja Bördner, Marie-Kristin Schäfer, Markus Francke und Aleksey Ivanov.
An der Schwelle zwischen der Klassik und Romantik steht Ludwig van Beethoven, einer der großen Grenzüberschreitend in der Musikgeschichte. Er überwand in seinem Spätwerk die Grenzen der rein instrumentalen, klassischen Sonatenform bis hin zum Monumentalwerk.
Die Formen ergänzen sich in ihrer Vielfalt in der neunten Sinfonie zu einer übergeordneten Einheit. Die Überschreitung der irdischen Sphäre vollzieht sich im Finalsatz, bei dem der Chor mit Schillers "Ode an die Freude" einsetzt und das Betreten des himmlischen Heiligtums besingt. Die Idee der großen Ganzheit, in der alle Menschen zu Brüdern werden, war der Grund, weshalb das Thema des Variationensatzes zur Europa-Hymne erhoben wurde.
Mit einem rhythmisch markanten Fanfarenmotiv in Verbindung mit Streicher-Tremoli im hauchdünnen "pianissimo" begann spannungsvoll der erste Satz. Von Paukenschlägen unterstützt erklang dieses Motiv danach im Gegensatz dazu im kraftvollen "forte". Daraus resultierte das Hauptthema eines weiträumigen Satzes, gespickt mit dramatischen Steigerungen. Dem städtischen Orchester gelang unter der sicheren Leitung von Markus Huber eine stilistisch adäquate und musikalisch überzeugende Realisierung dieses Satzes. Beethovens Zwiespalt zwischen dem alten, galanten Stil der Klassik und seinem neuen Ausdruckswillen konnte man spüren.
Im schnellen zweiten Satz setze das Fanfarenmotiv den Impuls zu einem bizarren Fugato. Im Mittelteil in freudiger Durtonart konnte man die Holzbläser in ihrer Klangfarben-Vielfalt erleben. Makellos war stets die Intonation der Bläsersolisten, auch in den heiklen Abschnitten.
Von besonderer Schönheit war der kantable Mittelsatz im stimmungsvollen B-Dur. Mit Einfühlung zelebrierten die Streicher das Thema, das kunstvoll variiert wurde. Mit dem Rezitativ "O Freunde Nicht diese Töne, sondern lasset uns angenehmere anstimmen..." leitete der Bassist Aleksey Ivanov mit seiner großen, in allen Lagen angenehm klingenden Stimme, in den gesanglichen Finalsatz über. Im Unisono intonierten die tiefen Streicher zunächst den Hymnus "Freude schöner Götterfunken", wonach steigernde Variationen folgten, und auch die Chöre und das Solistenquartett mit einstimmten.
"Seid umschlungen, Millionen", "alle Menschen werden Brüder", sangen alle gemeinsam. Der groß angelegte Schlusssatz kulminierte in einem prachtvollen Finale. Das Publikum ließ sich von der Faszinationskraft dieses hervorragend präsentierten Monumentalwerks mitreißen. Begeistert war der Applaus.
(Lothar Arnold)


 

Demnächst:

 


Samstag, 14.07.2012

20:15 Uhr

Internat. Domkonzerte

St. Blasien

Abendlieder a cappella



 

Freitag, 12.10.2012

19 Uhr

Stunde der Kirchenmusik

Stiftskirche Stuttgart

Englische Chorwerke



 

Sonntag, 25.11.2012

18 Uhr

Christuskirche Eislingen

Abendlieder a cappella



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