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Schwäbisches Tagblatt, 06.12.2010:

Englische Grüße

Der Philharmonia Chor Stuttgart in der Motette

Tübingen. Zu den bekanntesten und traditionsreichsten Mariengesängen gehören der "englische Gruß" Ave Maria und das Magnificat, der antwortende Lobpreis Marias. Ausgehend von dieser Tradition gruppierte der Stuttgarter Philharmonia Chor in der Stiftskirchen-Motette zum Zweiten Advent um diese Mariengesänge herum weitere A-cappella-Werke mit marianischen Anklängen bis hin zur allgemeinen Thematik "Mutter-Kind".

2011 feiert der Philharmonia Chor sein 25-jähriges Bestehen. Als Stuttgarter Institution arbeitet er regelmäßig mit den Philharmonikern zusammen, gastiert auf renommierten Konzertpodien wie dem Bodensee-Festival. Seit 2003 wird das Ensemble von Johannes Knecht geleitet, stellvertretender Stuttgarter Opernchordirektor und seit 2009 Professor für Oratorienleitung an der dortigen Musikhochschule.

Für eine saubere und durchhörbare Intonation hatte Knecht den Gesamtklang des rund 30-stimmigen Philharmonia Chors stark verschlankt und ausgedünnt. Dadurch gingen aber häufig Klangsubstanz, Farben und Wärme verloren. Die Frauenstimmen wirkten oft dünn, die Männerstimmen hohl. Die kühle Timbrierung fiel besonders bei Brahms "Marienliedern" für gemischten Chor op. 22 auf, wo sie quer zu Brahms' romantisch-biederer Patina stand.

Blieb der Brahms betont nüchtern und wenig gefühlig, zeigte der Chor eine wesentlich stärkere Affinität zur Moderne, etwa zu Volker Wangenheims "Ave Maria". Frappierend sicher bewegte sich das Ensemble in "Die kleine Mutter" des 1967 verstorbenen Schreker-Schülers Hugo Herrmann durch die atonalen Verzweigungen. Mit am meisten begeisterten zwei Sätze aus Mikis Theodorakis' Zweiter Liturgie ("Den Kindern, getötet in den Kriegen"). Im "Kalamationes für die Märtyrer" drehte sich ein Halleluja in kämpferischen Endlosschleifen, rebellischen Umwälzungen. Gegenüber der zu Beginn des Programms recht zaghaften Intonation ließ der Chor hier viel mehr los, ging in eine kraftvolle Klangfülle hinein. Auch im Spiritual "Sometimes I feel like a motherless child" gingen leise Dynamik und weicher Vollklang widerspruchslos zusammen.

So heterogen wie die Epochen und Stile waren auch Zugriff und Klangresultat. Bei Mendelssohns "Deutschem Magnificat" hätte man den Text differenzierter ausdeuten können. Vieles wirkte kantig, flüchtig, oberflächlich. Klanglich am stärksten war die "Zerstreuung" der "Hoffärtigen". Schön und ausdrucksvoll musizierte hier im Wechsel mit dem Chor ein Vokalquartett (Christine Lacha, Sopran; Annett Eichstaedt, Alt; Timo Schabel, Tenor; Johannes Fritz, Bass).

Am sinnlichsten und farbreichsten sang der Philharmonia Chor beim "großen Abend- und Morgenlob" aus Rachmaninows Vesper op. 37 ("Bogorodize Djewo", "Jungfrau, Gottesmutter") - auf Russisch gesungen, mit weichen, schwingenden Vokalen. Zuletzt entschwand der Klang sanft und sacht mit Reger: "Sei, Mutter der Barmherzigkeit, sei, Königin, gegrüßet".
(ach)

 

Demnächst:

 


Samstag, 14.07.2012

20:15 Uhr

Internat. Domkonzerte

St. Blasien

Abendlieder a cappella



 

Freitag, 12.10.2012

19 Uhr

Stunde der Kirchenmusik

Stiftskirche Stuttgart

Englische Chorwerke



 

Sonntag, 25.11.2012

18 Uhr

Christuskirche Eislingen

Abendlieder a cappella



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