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Südwest Presse (Metzingen), 12.07.2011:

So schön kann Trauer klingen

Brahms Requiem im Münster Zwiefalten


Zwiefalten.  Die Reihe der Münsterkonzerte verzeichnete am Sonntag einen Höhepunkt: Unter Johannes Knecht erklang von Brahms "Ein Deutsches Requiem".

Ein großformatig und breit angelegtes Werk wie das Brahms-Requiem verlangt nach einem großen Sinfonieorchester und nach einem Aufführungsort, der schon alleine ob seiner Architektur in der Lage ist, gewaltige Klangfüllen, wie auch feine Nuancen aufzunehmen und widerzuspiegeln.

Wenn, wie am Sonntagnachmittag in der prächtigen Klosterkirche in Zwiefalten geschehen, zudem der Stuttgarter Philharmonia Chor, vor allem aber die Tübinger Studentenphilharmonie unter ihrem Dirigenten Johannes Knecht in bester Verfassung aufspielen, ihnen außerdem hochkarätig agierende Solisten zur Seite stehen, dann wird aus Brahms wohl berühmtesten Werk ein Ereignis, bei dem die tröstende Botschaft ganz ungefiltert und in bestechender Nahbarkeit Raum greift.

Mit 33 Jahren, unter dem Eindruck seiner zuvor verstorbenen Mutter, schrieb Johannes Brahms die Totenmesse. Die sieben Sätze sind indes nicht den Toten gewidmet. Mit damals revolutionären Bibeltext-Entleihungen und mit seiner strengen musikalischen Formensprache richtet sich Brahms an trauernde Hinterbliebene.

Ein Gestus, der schon im einleitenden Satz hinterlegt ist. Das vielköpfige Orchester schwang sich lautmalerisch empor und ebnete so den Weg für den vierstimmigen Chor. Der überzeugte als farbenreicher, intensiv agierender, ausdrucksstarker Klangkörper - vielleicht mit der stellenweisen Neigung, die Sopranlinien zu stark zu überzeichnen. Auch im weiteren Verlauf hätte man sich mitunter ein Quäntchen mehr Klarheit und Prägnanz ans Ohr gewünscht. Durchgängig auf hohem Niveau gelang der Vortrag des Tübinger Laienorchesters. Unter der behenden, aber stringenten Hand ihres Dirigenten Johannes Knecht ließ es sich zu stillen, wogenden und klanggewaltigen Momenten führen und setzte diese in warmem, vollem Klang und mit dem rechten Maß an Virtuosität imposant um. Als Halt fungierten hierbei nicht zuletzt die Bläser, sie boten in dem komplex gestalteten Werk fein akzentuierte Orientierungslinien.

Mit dem 30-jährigen Julian Orlishausen verfügte die Aufführung über einen schon in jungen Jahren international gefragten Solisten. Im Zwiefalter Münster konnte er mit weichem Schmelz und klarer Artikulation überzeugen. Den Chor im Rücken, gestaltete er Passagen wie ". . .mein Leben ist wie nichts vor Dir" als Bekenntnisse mit klagender, anmutiger Gestalt. Sein Vortrag strahle Sicherheit, aber auch emotionale Durchdringung der gedankenschweren Passagen aus.

Auch die zweite Solostimme des Konzerts, Daniela Gerstenmeyer, entpuppte sich als Glücksfall für die Aufführung. Die Sopranistin, 2009 von der Zeitschrift "Opernwelt" zur besten Nachwuchskünstlerin gekürt, bestach in elegischer Breite, vom wohltemperierten Orchester mit sehnsuchtsvollen Oboen begleitet, mit glasklarer, anschmiegsamer und in allen Lagen fein durchgezeichneter Stimmführung: So schön kann Traurigkeit klingen.

Auch die von Brahms im sechsten Satz vertonte, von den Klangkörpern hymnisch, triumphierend und fulminant umgesetzte Frage "Hölle, wo ist dein Sieg?" änderte nichts daran, dass nach dem letzten Ton des Requiems in der Klosterkirche zunächst Stille herrschte. Lange brauchte es, bis die Zuhörer wieder zu sich fanden. Brahms Botschaft kam an - gerade hier, gerade heute, gerade in dieser glücklichen Konstellation.


 

Demnächst:

 


Samstag, 14.07.2012

20:15 Uhr

Internat. Domkonzerte

St. Blasien

Abendlieder a cappella



 

Freitag, 12.10.2012

19 Uhr

Stunde der Kirchenmusik

Stiftskirche Stuttgart

Englische Chorwerke



 

Sonntag, 25.11.2012

18 Uhr

Christuskirche Eislingen

Abendlieder a cappella



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