Link zu unserer Facebookseite

Reutlinger Generalanzeiger, 12.07.2011:

Ergreifend umgesetzt

Brahms Requiem im Münster Zwiefalten


Zwiefalten. Eine große, zutiefst beeindruckte Zuhörergemeinde erlebte die großartige Aufführung von Brahms‘ Werk „Ein deutsches Requiem“ im Zwiefalter Münster mit dem Philharmonia Chor Stuttgart, der Studentenphilharmonie Tübingen und den Gesangssolisten Daniela Gerstenmeyer (Sopran) und Julian Orlishausen (Bariton) unter der Leitung von Johannes Knecht.

Knecht gelang es ausgezeichnet, diesem großartigen Werk Gestalt zu verleihen, das er selbst in seiner Beschreibung als Höhepunkt der romantischen Chorliteratur bezeichnet. „Seine ausgefeilte Architektur, die originelle, für die damalige Zeit fast revolutionäre Textauswahl, die Ausdruckstiefe der musikalischen Sprache mit ihren sinnreichen Rückbezügen auf barocke Vorbilder – all das hat nichts von seiner Faszination und Eindringlichkeit eingebüßt.“

Sensibler Umgang mit dem Text

Eindringlich gefesselt wurde das Publikum von Anfang an, als der Dirigent aus der Stille heraus den gedämpften ersten Satz entwickelte und die konzentrierte Akkuratesse der Choristen zum strahlenden Tutti-Klang führte. Den zweiten Satz fasst er archaisch metrisch streng, kostet die immensen Kontraste voll aus.

Vom Orchester verlangt Knecht Dichte in der Tongestaltung, dirigiert dabei jedes Crescendo, jedes Sforzato deutlich aus, forciert Geschlossenheit der Stimmgruppen. Seit Chor erfüllt den Orchesterklang mit Sinn: „Denn alles Fleisch ist wie Gras, und alle Herrlichkeit des Menschen wie Grases Blumen.“

Und dann, im dritten Satz, bindet er den Solisten intelligent in das Geschehen ein. Julian Orlishausens Deklamationsstil und sein sensibler Umgang mit dem Text machen ihn zum idealen Sänger dieser Rolle. Die prophetischen Äußerungen singt er hervorragend. Genauso herrlich klingt er im sechsten Satz.

Der Sopran hat nur einmal die Gelegenheit zu glänzen: das himmlische Solo, aus dem der fünfte Satz besteht. Daniela Gerstenmeyer präsentierte es mit all ihrem detaillierten Können, beispielhaft ist die Reinheit ihres Tons und ihre Atemkontrolle, wunderbar das feine Rubato beim Aufstieg zum hohen B.

Große Leistung des Chors

Eine gelungene Aufführung beruht aber vor allem auf der Leistung des Chors. Der Philharmonia Chor Stuttgart besticht mit Wohlklang und präziser Technik. Der Sopran strahlend mühelos, der Alt versiert, der Tenor stimmrein, der Bass fest und stark. Diese Eigenschaften sind zweifelsohne Ergebnis der konsequenten Ausbildung über Jahre hinweg.

Diese Eigenschaften kommen in der jubelnden Fuge des sechsten Satzes imposant zur Geltung – und der Solist übernimmt glaubhaft die Rolle des lehrenden Evangelisten: „Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden.“

Und als der Chor die Führung übernimmt, werden Visionen des jüngsten Tages erweckt. Im Schlusschor „Selig sind die Toten“ vereinigte Johannes Knecht noch einmal alle Kräfte zum großartigen Tutti. Lange verharrte die Zuhörerschaft in Stille, bis der große, lange Beifallssturm losbrach. (elk)

 

Demnächst:

 


Samstag, 14.07.2012

20:15 Uhr

Internat. Domkonzerte

St. Blasien

Abendlieder a cappella



 

Freitag, 12.10.2012

19 Uhr

Stunde der Kirchenmusik

Stiftskirche Stuttgart

Englische Chorwerke



 

Sonntag, 25.11.2012

18 Uhr

Christuskirche Eislingen

Abendlieder a cappella



AddThis Social Bookmark Button