|
Schwäbische Zeitung, 30.06.2009: Mendelssohns „Sinfonie-Kantate“ war eine musikalische EntdeckungWeingarten. Sicher war die Aufführung von Felix Mendelssohn-Bartholdys Sinfonie Nr. 2 op. 32 mit dem Titel „Lobgesang, eine Sinfonie-Kantate nach Worten der Heiligen Schrift“, für die meisten der vielen Zuhörer in der Weingartener Basilika die erste Begegnung mit diesem höchst selten aufgeführten, eindrucksvollen Werk. Es war auch eine Entdeckung. Es ist eine Sinfonie, deren drei instrumentale Sätze die musikalischen Themen der anschließenden Kantate vortragen; die Kantate wiederum ähnelt einem Oratorium. Das eigenwillige Stück, das zwischen Tradition, Oper und Oratorium oszilliert, entstand als ein Auftragswerk der Stadt Leipzig zur 400-Jahr-Feier der Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg und wurde 1840 dort uraufgeführt. Im zweiten Teil kommen zu großem Chor großes Orchester und drei Solisten – zwei Soprane und ein Tenor. Die deutschen Psalmentexte wählte Mendelssohn aus. Zu Beginn wirkte die Württembergische Philharmonie Reutlingen unter der Leitung von Roberto Paternostro noch etwas verschwommen, dazu kam der extrem lange Nachhall in der Basilika. Aber bereits im zweiten Teil des ersten Satzes konsolidierte sich der Ton und nach der fließenden Überleitung zum zweiten Satz „Allegretto un poco agitato“ das tänzerisch konzertant anmutete, war die gewohnte Präzision erreicht. Im 3. Satz, dem „Adagio religioso“, schien ein getragenes Thema auf, die hellen Streicher schwangen in präzisen Wellenbewegungen aus, ein zweites Motiv mit Bläsergruppen trieb in Synkopen weiter. Opernhafte Wirkung In riesigen Volumina entfaltete sich dann zu Beginn der neunteiligen Kantate der Auftritt des Philharmonia Chors Stuttgart aus 28 Männer- und 33 Frauenstimmen mit dem Ausruf „Alles, was Odem hat, lobe den Herrn“, ein einziger musikalischer Jubel. Auch das erste Solo des ersten Soprans (Regina Klepper) „Lobe den Herrn, meine Seele“ war stilistisch von sehr opernhafter Wirkung und doch durch die enge Verbindung mit dem Frauenchor aufs Höchste emotionalisiert. Den stärksten solistischen Part hatte die Tenorstimme (Reto Raphael Rosin) im „Rezitativo“ und, von den Streichern untermalt, im nachfolgenden „Allegro moderato“. Zusammen mit den zwei Sopranen (2. Sopran Sandrina Ost), die sich wunderbar ergänzten und steigerten, wirkte das Andante mit dem Refrain „Wohl dem, der seine Hoffnung setzt auf den Herrn“, anrührend und beseelt. Auch die beiden Allegro-Teile mit dem drängenden Ruf des Tenors „Hüter, ist die Nacht bald hin?“, der insgesamt fünf Mal wiederholt und scheu bittend ausgesungen wurde, prägten sich dem Gedächtnis ein und die Auflösung in der Sopran-Antwort „Die Nacht ist vergangen“ führte zu einem triumphalen langen „Allegro maestoso“ des Chors, der die „Waffen des Lichts“ pries. Im Choralteil zitierte Mendelssohn deutlich Bach, während das Duett zwischen Sopran und Tenor vor dem Schlusschor in seinen Beteuerungen „so ruf in Deinen Namen an, Ewig, du treuer Gott“ wieder theatrale Wirkung entfaltete. Der Schlusschor in drei Teilen baute das Eingangsmotiv „Alles, was Odem hat, lobet den Herrn“ zu großen Klangmassen auf, die sich in der großartigen Kirchenarchitektur kongenial entfalten konnten. Dankbarer Beifall für eine musikalische Entdeckung. (Dorothee L. Schaefer) |
Demnächst:
Samstag, 14.07.2012 20:15 Uhr Internat. Domkonzerte St. Blasien
Freitag, 12.10.2012 19 Uhr Stunde der Kirchenmusik Stiftskirche Stuttgart
Sonntag, 25.11.2012 18 Uhr Christuskirche Eislingen |