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Badiche Zeitung, 13.07.2009

Chor weckt Emotionen der Zuhörer

Philharmonia Chor Stuttgart eröffnete die Internationalen Domkonzerte in St.Blasien

ST. BLASIEN. Unter der Leitung von Johannes Knecht spannte der Philharmonia Chor Stuttgart Brücken zwischen Jahrhunderten und Gedanken und eröffnete damit die Internationalen Domkonzerte, nachdem der Albtäler Musikverein unter der Leitung von Martin Kaiser feierlich auf die Konzertreihe eingestimmt hatte.

Der Chor richtete sich mit a cappella Mariengesängen an die Schutzpatronin. Das zeigte sich gleich an den Kürzungen im ersten Liedblock, Marienlieder op. 32 von Johannes Brahms. "Die kleine Mutter", op. 72 von Hugo Hausmann richtete den Blick auf die dienende Liebe einer Mutter. Damit war die Neuzeit eingeleitet, in der Kinder in Partisanenkriegen zu Märtyrertoten werden. Mikis Theodorakis (geboren 1925) widmet ihnen seine Liturgie Nr. 2. Der Philharmonia Chor schloss diesen Block mit dem Spiritual "Sometimes I feel like a motherless child" in einem Satz von Dieter Falk ab.

Das Magnificat op. 69.3 von Felix Mendelssohn-Bartholdy richtete die Gedanken auf unmittelbares Gottvertrauen. Bei Jean Sibelius standen die Zusammenhänge von Leben und Tod im Raum. Mit Anton Bruckner und Sergei Wassiljewitsch Rachmaninow konnte das Thema wieder wörtlich genommen werden. Dem ausgezeichneten Artikulationsvermögen des Chores ist zu verdanken, dass dieses Gedanken-Netzwerk deutlich wurde.

Bis zum Spiritual sang der Chor auf der Empore. Jene Zuhörer, die an den Seiten der Langhausempore oder im Langhaus selbst saßen, durften da den vollen Klang genießen. Eine sehr große Zahl der Besucher konnte aber erst im zweiten Teil die Texte verstehen, denn von da an sang der Chor von den Stufen des Altarraumes.

Johannes Knecht bezog die Akustik des Domes mit ein. Er ließ dem Nachhall Raum und zeigte damit, wie sauber die Akkorde gesungen sind. Unmittelbare Präsenz, außerordentliche Sicherheit in den Intervallen und ausgeklügelte Dynamik machten Inhalte auf allen Plätzen zu jeder Zeit verständlich. Das Textblatt musste nicht verfolgt werden. Dieser Chor versteht es, die internationale Sprache der Musik zu gestalten. Emotionen, die der Komponist aus den Worten entwickelt hat, werden vom Philharmonia Chor Stuttgart geweckt.

Unsicherheiten wurden an diesem Abend kurz bei Brahms im Tenor deutlich. Dort waren die Kürzungen eine Verneigung vor Publikum, Programmkonzept und Komposition. Dem Ausdruck der Musik wurde auch bei zehn statt 18 Minuten Länge kein Jota genommen. Johannes Knecht ist als stellvertretender Chordirektor der Stuttgarter Staatsoper in besonderer Weise vertraut mit dem Zusammenhang von Text und Musik. Er betont die Wirkung der Klänge und sein Chor folgt ihm als würde er mit den Stimmen Orgel spielen.

Nicole Maradon Cavaillé-Coll ließ Chorgedanken an der Orgel ausklingen und leitete die neuen Stimmungen ein. Ihr Prelude von Gabriel Pierné wurde zum Nachspiel von Brahms. Bei der Paraphrase des Evangeliums vom Sturm auf dem See von Edouard Devernay konnte einem Hören und Sehen vergehen. Starke Strukturierung machten das Inferno transparent. Ausgefeilter Umgang mit dem Schwellwerk gab der Ruhe nach dem Sturm natürlich, logische Folge. Vergleichbares lässt sich zu ihrer Interpretation der Cantilène und des Finalsatzes aus der dritten Orgelsymphonie von Louis Vierne sagen.

Als Zugabe gab es die deutsche Erstaufführung des Ave Maria von Wolfgang Wangenheim zu hören. Dirigent Johannes Knecht bot den Zuhörern mit diesem Stück und mit dem gesamten Konzertprogramm etwas ganz Besonderes. (Margrit Matyscak)

 

Demnächst:

 


Samstag, 14.07.2012

20:15 Uhr

Internat. Domkonzerte

St. Blasien

Abendlieder a cappella



 

Freitag, 12.10.2012

19 Uhr

Stunde der Kirchenmusik

Stiftskirche Stuttgart

Englische Chorwerke



 

Sonntag, 25.11.2012

18 Uhr

Christuskirche Eislingen

Abendlieder a cappella



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