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Pforzheimer Zeitung, 19.10.2009: Mit geballter KlangwuchtDie Badische Philharmonie Pforzheim musiziert unter ihrem Chefdirigenten Markus Huber Beethovens neunte Sinfonie im CongressCentrumPFORZHEIM. "Badische Philharmonie Pforzheim", so darf das frühere Städtische Orchester der Goldstadt sich nach dem Saisonauftakt im CongressCentrum nun auch offiziell nennen. Die von Pforzheims Oberbürgermeister Gert Hager vorgenommene Umbenennung ist Ansporn, aber auch eine Hypothek, verbinden sich doch mit dem Prädikat "philharmonisch" Ansprüche an die Orchesterkultur, die in Pforzheim nur bedingt einzulösen sein werden. Wobei bei einem Orchester mit 41 Planstellen die Bezeichnung "Kammerphilharmonie" sicher treffender gewesen wäre. Bot die zu Beethovens Ouvertüre zu Goethes "Egmont" eine klar strukturierte und die dramatische Spannung bündelnde Sicht auf das Werk, so wählte Pforzheims Generalmusikdirektor Markus Huber mit Beethovens neunter Sinfonie als Hauptwerk zum Saisonauftakt einen weitaus anspruchsvolleren sinfonischen Brocken. Diesen Herausforderungen stellte sich das durch viele Aushilfen, was der Homogenität des Klanges nur bedingt zuträglich ist, verstärkte Orchester der Goldstadt im sehr gut besuchten CongressCentrum mit großem Einsatz. Hubers Herangehensweise an Beethoven ist von einer genauen Partiturkenntnis geprägt und einem Sinn für Details. Trotz manch instrumentaler Unsicherheit eröffnet er ein weites Orchesterpanorama, was durch die differenzierte Dynamikgestaltung unterstrichen wird. Auf Sicherheit setzt der GMD schon im mächtigen einleitenden Allegro nicht, sucht eher das Kaleidoskopartig-Zerklüftete, denn den zwanghaften großen Bogen. Das Molto Vivace des Scherzos mit seinem stets aufs neue überraschenden Paukenwirbel, der Solopauker Roland Härdtner einmal mehr Gelegenheit gibt, sich in den musikalischen Vordergrund zu spielen, wird ebenso ausdrucksstark musiziert, wie das Adagio molto e cantabile. Wobei die Badische Philharmonie mit vielen überzeugenden Holzbläsersoli und gelegentlich etwas ruppigen, an den hohen Forderungen der Partitur gemessen letztlich doch überzeugenden Blechbläsern aufwarten kann. Konzentrierte Dramatik prägt die umfangreiche Einleitung des Finales, bei dem Huber die musikalische Struktur ebenso wie die äußerst kunstvolle Verarbeitungstechnik Beethovens markant - besonders in der ausdrucksvollen Cellogruppe - aufleuchten lässt. Das Vokalfinale mit der Vertonung von Schillers "Ode an die Freude" hat zur ungeheuren Popularität der Sinfonie viel beigetragen, bei Sängern ist es weniger beliebt, behandelt Beethoven hier die Stimmen doch sehr instrumental. Aleksey Ivanov intoniert mit wuchtigem Bass sein "Oh Freude, nicht diese Töne!", ebenso können Christian Voigt mit tragfähigem Tenor, die lyrische Mezzosopranistin Marie-Kristin Schäfer und die koloratursichere Sopranistin Katja Bördner insgesamt überzeugen. Mit geballter Wucht und dem Bemühen um dynamische Differenzierung stellten sich die Chöre des Pforzheimer Theaters (Einstudierung Martin Erhard) und des Philharmonia Chor Stuttgart (Einstudierung Johannes Knecht) den hohen Klippen des Beethovenschen Chorsatzes. Der Musizierwille aller Beteiligten wurde denn auch durch anhaltende Publikumsovationen belohnt. (Thomas Weiss) |
Demnächst:
Samstag, 14.07.2012 20:15 Uhr Internat. Domkonzerte St. Blasien
Freitag, 12.10.2012 19 Uhr Stunde der Kirchenmusik Stiftskirche Stuttgart
Sonntag, 25.11.2012 18 Uhr Christuskirche Eislingen |